#HARDCORE – Nº 2

"I think you drink too much cola and not enough alcohol."
Was?
Nichts besonderes, zumindest nicht für die Leser des Lesers: wieder ein Hardcore Fanzine, obwohl es mal an der Zeit für ein Sport- oder Gartenmagazin wäre. Im Verdikt ist ein Link zu einer entsprechenden Hörprobe, eingehende Beschreibungen der Bands kann man besser woanders nachlesen, nur so viel: Daan, der Macher, ist eher dem langsamen, schweren Sound zugeneigt.Übrigens ist es ein Fanzine, das aus zwei besteht. Einige Interviews kommen von Wim, der mal einen Newsletter namens HUNGRY IS HOW I FEEL gemacht hat. Daher kommt auch dieser Untertitel auf den Titel.
Auflage
Da musste ich Daan nochmal fragen. Er antwortete rasch: „I made 200 of them, but I’m actually sold out. I will reprint them when my next issue comes out in fall. The zine is still available through distro’s. In Germany: Take It Back, Crucial Repsonse, Refuse“
Erwerbsgeschichte
Auf einem inzwischen etwas erschlafften Board für drogenfreien Punkrock-Sound hat Daan geschrieben, dass sein neues Heft draußen ist. In einem schnellen Wechsel von einigen PM’s wurde ein Tausch ausgehandelt. Dawk gegen #HASHTAG. Eine Woche später kam Post aus den Niederlanden, wofür der Absender auch noch 4,- Euro Porto gezahlt hat. Dafür gab es selbstverständlich gleich zwei Ausgaben vom Dawk zurück. Schließlich genießt man in Deutschland den Vorzug des vergünstigten Versandes per Büchersendung International (500 Gramm gebundenes Papier in jedes Land der Welt für 3,- Euro; Musterbeutelklammern nicht vergessen).
Layout
Cut’n’Paste der guten Sorte: sauber und zwecks Authentifizierung gestempelt. Die Galerie auf der Rückseite ist liebenswert. Nicht, dass ich alle Platten kennen würde, aber Hunde sind doch irgendwie liebenswerte Zivilisationsgeschöpfe.
Inhalt
#HARDCORE ist dankenswerterweise nicht so unkritisch wie es der Terminus Fanzine erwarten ließe. Daan hat ja auch schon die 30 Jahre überschritten und lässt sich auch nicht mehr so schnell von irgendwelchen Hypes blenden. Das führt zu überraschenden und stimmigen Feststellungen:
Es gibt eine ganze Reihe von Interviews unter anderen mit den Bad Brains, das natürlich ein Nachdruck aus dem Ripper Magazin von 1982 ist. Noch mehr 1980er gibt es mit Hohn und Spott. Und da ich keine Ticket mehr für das CoreText-Fest bekommen habe, dass neben Judge ein ausnahmslos lächerliches LineUp hat, wird die verkappte Hohn und der offensichtliche Spott hier in voller Länge gezeigt:
Eine kleine Doppelzüngigkeit darf am Ende bemerkt werden: Die Ankündigung auf dem Titel doch mit der digitalen Welt nichts am Hute zu haben, …
… wird wenige Seiten später ad absurdum geführt. Das macht aber nichts weil die „verlinkten“ Videos (die QR-Codes funktionieren übrigens auch am Bildschirm) ja nun nicht die schlechtesten sind …
Verdikt
Um mal wieder mit einem Tweet von Samuel Yarmuth zu spechen (dessen Fanzine deutlich unter dem Niveau von #HARDCORE liegt): „Hardcore makes sense to me. Most other things in the world don’t.“ Wenn ich die neue 7″ von Back To Back pumpe und im #HARDCORE blättere, macht diese Bemerkung tatsächlich Sinn.Nicht mal in der Ultra-Szene gibt es ein solch ein ideenreiches Universum an Fan-Journalismus. Zumindest ist mir da noch nichts dergleichen untergekommen. Daher haben Hardcore-Fanzines – hier nochmal eine Fortsetzung der Rechtfertigung, mit der dieser Eintrag begann – gerade in der Ära des Zeitungssterbens ihren Platz zwischen Tageszeitungen und Playboy-Heften redlich verdient.