Deutsches Tageblatt – Zweite Ausgabe – Sonnabend, der 16. Juni 1888, Nummer 278

Was?
Ein Presseprodukt aus einer Zeit als der röhrende Hirsch gerade erst seinen Erfolgszug durch deutsche Wohnstuben antrat.
Turnus
Der Hinweis „Zweite Ausgabe“ lässt den Schluss zu, dass das Deutsche Tageblatt zweimal täglich erschien. Vielleicht war diese zweite Ausgabe aber auch nur eine Ausnahme. Schließlich wird hier nichts geringeres berichtet als der Tod des Kaisers.
Erwerbsgeschichte
Wie schon Die Post kommt dieses Schmuckstück aus der Sammlung von Alexander Sasses Oma.
Werbung
Inserate gibt es im hinteren Teil des Deutschen Tageblatts zuhauf. Eine pointierte Zusammenfassung sollte lieber einigen Beispielen weichen:

Putzmittel für Pickelhauben. Das Beste der Welt. Absolut unschädlich.

Badewannen für den kleinen Raum.

Passend zum Kaisertod: Trauermode. Schwarze Stoffe meterweise.
Öfter als man geneigt ist anzunehmen, war die Regierungsform der deutschen Erbmonarchie für Überraschungen gut: Am 15. Juni 1888 erlag Friedrich III – voller Name Friedrich Wilhelm Nikolaus Karl von Preußen – mit 56 Jahren seinem Kehlkopfkrebs. Er war erst drei Monate zuvor Kaiser geworden. So wurde das Jahr 1888 wurde zum sogenannten Dreikaiserjahr. Seine kurze Regierungszeit und die Tatsache, dass Friedrich III. schon bei seiner Krönung durch das Krebsleiden nicht mehr sprechen konnte, haben ihn schnell in den Schatten seines Nachfolgers, dem Heißsporn Wilhelm II, gestellt.
Titel
Ähnlich dramatisch wie in der Bild-Zeitung vom 12. September 2001 wird im Deutschen Tageblatt vom 16. Juni 1888 mit viel Pathos gearbeitet. Bedenkt man, dass zu dieser Zeit Bismarcks Kulturkampf gegen die Kirche schon längst als gewonnen galt, mutet das Motiv doch sehr religiös an:
Extra
Zwei unterschiedliche Extras sind angekündigt:
1. „Für unsere Abonnenten liegt der heutigen Nummer ein künstlerisch ausgeführtes Bildnis unseres hochheiligen Kaisers Friedrich als Andenken an den erhabenen Dulder bei“
2. „Der heutigen Nummer unserer Zeitung liegt für unsere auswärtigen Abonnenten die ‚Damenwelt‘ Nr. 25 bei.“Keines der zwei Extras war noch in der Zeitung. Vielleicht war der damalige Käufer dieser Ausgabe aber auch kein Abonnent.
Verdikt
Durchaus eine lehrreiche Lektüre wenn man meint, das wenig passierte zwischen dem deutsch-französischen und dem ersten Weltkrieg. Irgendwas zu schreiben brauchen Zeitungen ja immer, aber hier rechtfertigt das historische Ereignis sicherlich die über 120jährige Archivierung in Privatbesitz.
Der Einwand hier wenig über das Deutsche Tageblatt an sich zu erfahren ist berechtigt, aber die Recherche im Netz brachte keinen brauchbaren Informationen hervor. Für mehr war keine Zeit.