Filmkritik, Nr. 175, Juli 1971

"Im Festspielkino hat die Leinwand eine zwar schwarze, aber völlig falsche Bildabgrenzung. Es fällt bei jedem Format (normal, breit, scope) oben und unten ein runder Meter weg. Abgeschnittene Frisuren, abgeschnittene Schuhmode. Manchmal totale Katastrophen. Wenn man das laut sagt, kriegt man zu wissen, daß hier die besten Filmvorführer Frankreichs am Werke sind. Im Cinema Le Français (Société des Réalisateurs de Film) gibt es fürchterliche Schwierigkeiten mit der Bildschärfe; das Kino ist zwar bildschön und bequem und hinter Glasscheiben kann man auch rauchen und was trinken, aber die Projektoren stehen dafür recht ungünstig. Man kann schon wieder einmal nicht alles haben."
Was?
Kenner geraten ins Schwärmen, wenn man den Namen Filmkritik fallen lässt. Der Legende nach sind einzelne Autoren auch mal mit dem Nachtbus nach Paris gefahren, nur um dreimal hintereinander denselben Godard-Film zu schauen. Auf der Rückfahrt wurde dann die entsprechende Kritik geschrieben.
Gegründet 1957 war Filmkritik so etwas wie die deutsche Cahiers du Cinéma, aber vom Neuen Deutschen Film zeigte man sich auf den Seiten des Magazins gerne unbeeindruckt. Trotzdem ließ man Leute wie Wim Wenders mitarbeiten. Ab Mitte der 1970er gab es verstärkt monothematische Hefte. 1984 war Schluss.
Turnus
„‚Filmkritik‘ erscheint monatlich.“ Weiterführende Informationen wie folgend:
Preis
Durch eine freundliche Leihgabe häuft sich hier ein Ansichtswust von fünf Heften, deren unterschiedliche Veröffentlichungsdaten einen Zeitraum von 18 Jahren umfassen. Im November 1960 kostete das Heft DM -, 50, Juli 1971 musste man bereits DM 3,50 zahlen, 1978 sogar DM 5,50. Die Seiten in der Filmkritik sind nach Jahrgang nummeriert, was heißt, dass dieses Heft mit Seite 337 beginnt und bei Seite 392 endet. Diese Form der Paginierung wird heutzutage immer in anspruchsvollen Kulturmagazinen verwendet, wie zum Beispiel beim MERKUR.
Erwerbsgeschichte
Hier handelt es sich um nachträgliches Geburtstagsgeschenk von Philipp, der mir schon so grandiose Titel wie HATE und die geschäftsidee angetragen hat. Wieder so ein Hinweis, der meine Perspektive auf die Zeitschriftenlandschaft der BRD vollkommen aufmischt.
Titel & Layout
Hochwertige Ästhetik durch strikte Zweckmäßigkeit: durchgehend zweispaltig, sparsame schwarzweiße Bebilderung. In den bereits erwähnten frühen Ausgaben erinnert das Format an Programmhefte für Theateraufführungen. Bis Mitte der 1960er wurden Filmbesprechungen der Sparte „Neu im Ausland“ auf grünes Papier gedruckt.
Auf dem Titel gibt es ein Standfoto. später auch in Farbe. Ob diese Aufnahme in der offiziellen Filmvermarktung verwendet wurden, konnte nicht hinreichend geklärt werdenBeim Film Tod in Venedig (den ich noch nicht gesehen habe), fällt mir immer der Film Der bewegte Mann ein:
Inhalt
Der Essay über den Spätwestern erfordert solch profunde Kenntnisse des Genres, dass sicher manch Eigenwahrnehmung eines selbstdeklamierten Filmkenners auf ein rechtes Maß zurecht geschrumpft wird. Wie es sich für eine ordentliche Rezensionsplattform gehört, gab es auch in der Filmkritik ein Punktesystem, welches 1971 doch etwas emotionalisiert scheint. In den Heften der frühen 1960er fand man Filme noch nicht „zwiespältig“, „belanglos“ oder gar „ärgerlich“:
Verdikt
Am Ende jeder Filmkritik, tendiert man in der Filmkritik dazu kritisch zu werden. Dann wird das hier auch mal gemacht, wenn auch weniger sprachbegabt: Die Behandlung des Films Vanishing Point kränkt mich als Fan und lässt von der Gegenwart aus in westdeutschen Cineasten der frühen 1970er Jahre einen gewissen Hang zur Spaßfeindlichkeit erkennen. Warum? Lies es in der Filmkritik. Eine Auswahl von Artikeln, aber noch viel mehr neue Texte im selben Geist finden sich auf der Website New Filmkritik.