Berliner Morgenpost – WOCHENEND-EXTRA, Sonnabend/Sonntag, 27./28. November 2010

Was?
„Der kostenlose Service ihrer Hauptstadtzeitung.“ Postwurfsendung nennt man sowas. Als dieses Blättchen 2008 startete, verursachte es einen kleinen Eklat. Verständlich: Gratiszeitung + riesiger Verlag = viele Leser = weniger Hapse für die Kleinen am Anzeigenkunden-Büffet.
Turnus
Wöchentlich
Preis-Inhalts-Verhältnis
Seiten inklusive Cover: 20 Seiten
Ganzseitige Anzeigen: Nur zwei. Dazu kommen aber mindestens zwei Anzeigen, die sich fast über eine ganze Seite erstrecken und somit im Grenzbereich liegen. Zudem lag bei: ein 16-seitiges Prospekt für eine Drogerie und ein 20-seitiges Prospekt für einen Lebensmittel-Discounter. Summa summarum: ein Haufen Werbung.
Preis: 0,00 Euro
Format: Berliner Format, würde ich sagen. In der pdf-Datei für Anzeigenkunden steht „handliches Tabloid-Format“. Das tue ich aber als das übliche Marketing-Deutsch ab.
Preis pro Inhaltsseite: 0,00 Euro
Erwerbsgeschichte
Das Ding liegt jede Woche in meinem Briefkasten. Vielleicht sollte ich mich geehrt fühlen. Die Auflage liegt laut Impressum bei 1.253.375 Exemplaren. Da Berlin mehr als doppelt so viele Einwohner hat, scheine ich einem ausgesuchten Publikum anzugehören.
Titel
Der Bezirksradar in der Spalte rechts ist ganz brauchbar und interessant.
Inhalt
Seichte Berichterstattung aus der Stadt, ein paar Rätsel, Veranstaltungskalender, Wohnungsanzeigen, Kontaktanzeigen und Fernsehprogram für das Wochenende. Kein Sport und keine Wirtschaftsnachrichten.
Ich habe mir mal die Zeit genommen und das Durchschnittsalter der Inserenten in den 50 Kontaktanzeigen ermittelt: Es liegt bei 49,92 Jahren. So alt würde ich die Lesergruppe auch einschätzen. Auf jeder zweiten Seite findet man einen Satz in dem es um „Berlin rocken“ geht.
Layout
In einem Punkt gebe ich der öffentlichen Kommunikation dieses Blättchens Recht: das Format ist tatsächlich angenehm handlich. Außerdem mag ich die Karte, auf der die „Höhepunkte des Wochenendes“ lokalisiert sind. Joe Cocker darf bei den „Höhepunkten des Wochenendes“ natürlich nicht fehlen.
Verdikt
Lieber Springer-Verlag, Gratis-Zeitungen sind nicht so schlecht wie ihr Ruf. Meine Eltern bekamen jeden Mittwoch das Moin, Moin Heimatblatt nach Hause. Ungefragt. Da war immer das Kinoprogramm drin. Sogar ein Tag früher als in der regulären Lokalzeitung. Fand‘ ich gut.
Viele Leute blättern sicher gerne in den Prospekten, die dem Wochenend-Extra der Berliner Morgenpost beigelegt sind. Die Texte in der Zeitung sind darüber hinaus ja auch lesbar, mitunter an der Grenze zu lesenswert (auch wenn einfach kein ordentliches Zitat für diesen Blog zu finden ist). Die graphische Aufbereitung geht auf und das Format ist handlich.
Trotzdem möchte ich einen kleinen Einwand erheben: ICH WILL EUERN MÜLL NICHT!